Grammozis startet in Kaiserslautern mit knapp 100.000 Fans im Rücken

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Der 1. FC Kaiserslautern hat turbulente Tage hinter sich. Bei der 0:3-Heimniederlage gegen Holstein Kiel verloren die Pfälzer ihr drittes Spiel in Serie. Vier Tage später trennte sich der viermalige Deutsche Meister überraschend von Dirk Schuster. Ein neuer Trainer stand nicht direkt parat. Beim Samstagabendspiel in Magdeburg betreute ein Interimsteam die Roten Teufel – die beim Duell der Vorjahresaufsteiger viel Lehrgeld zahlten. Nun bricht ein neues Kapitel in der Pfalz an.

Grammozis auf Schuster – wie einst in Darmstadt

Am Sonntag verkündeten die Pfälzer, dass Dimitrios Grammozis der neue Cheftrainer des 1. FC Kaiserslautern wird. Wie im Februar 2019 übernimmt der Deutsch-Grieche ein Team von Dirk Schuster. Damals wurde Schuster beim SV Darmstadt entlassen, dessen zweite Amtszeit bei den Lilien deutlich weniger von Erfolg geprägt war als die erste. Grammozis übernahm die Südhessen elf Spieltage vor Saisonende auf Rang 13 der 2. Bundesliga. In diesen elf Spielen gewannen die Lilien fast so viele Spiele wie in der ganzen Saison zuvor – sechs Spiele an der Zahl. Mit zwei Unentschieden und nur drei Niederlagen führte Grammozis die Lilien auf Platz 10 – was zum souveränen Klassenerhalt reichte.

Platz 5 aber kein neuer Vertrag

In der Folgesaison formte Grammozis die Darmstädter zu einem Top-5-Team der 2. Bundesliga. Am Saisonende hatte man drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, den der 1. FC Heidenheim belegte. Der Tabellenzweite Stuttgart stieg mit sechs Punkten mehr in die Bundesliga auf. Nur Meister Bielefeld kassierte weniger Niederlagen als die Lilien. Trotz der guten sportlichen Bilanz trennten sich die Wege der beiden Parteien, da Verein und Trainer keine Einigung bei der Vertragslaufzeit des neuen Arbeitspapieres finden konnten. Die Südhessen wollten – aus finanziellen Gründen – eine Verlängerung des Vertrages um maximal ein Jahr, Grammozis forderte einen Zweijahresvertrag. Zur neuen Saison übernahm Markus Anfang am Böllenfalltor.

Abstieg mit Schalke

Eine gute Hinserie später übernahm der gebürtige Wuppertaler dann den FC Schalke 04 – der während der Corona-Pandemie in seine schwerste sportliche Krise seit Jahrzehnten gerutscht ist. An den ersten 23 Spieltagen holten die Knappen unter den Trainern David Wagner, Manuel Baum, Huub Stevens und Christian Gross lediglich einen Sieg. Grammozis verdoppelte die Anzahl der Siege in seinen elf verantwortlichen Spielen – für den Klassenerhalt war dies aber zu wenig. Auf dem Papier stand unter dem Abstieg der Name Grammozis – die Verantwortung hierfür trugen aber andere.

Rostock sorgt für Aus auf Schalke

Grammozis blieb beim Klub aus dem Revier weiter der Cheftrainer und sollte die Knappen zurück in die Bundesliga führen. Nach einer Heimniederlage gegen Hansa Rostock, am 25. Spieltag der Saison 2021/22, und dem Abrutschen auf Platz 6 trauten die Verantwortlichen dies dem Cheftrainer nicht mehr zu und stellten Grammozis frei. Der Rückstand auf Platz 3 betrug sechs Punkte, auf Platz 2 sieben und auf Platz 1 acht Punkte. Mike Büskens übernahm bei den Königsblauen bis zum Saisonende das Amt und führte die Mannschaft als Meister zurück ins Oberhaus. Seither war Grammozis nicht mehr als Cheftrainer tätig und nahm sich Zeit für seine Familie.

Rückkehr in die Pfalz

Anderthalb Jahre später kehrt Dimitrios Grammozis zurück auf die Trainerbank – bei seinem „Herzensverein“ 1. FC Kaiserslautern. Für die Pfälzer lief der 45-jährige von 2000 bis 2005 als Spieler auf und wurde unter anderem von Otto Rehhagel und Andreas Brehme trainiert.

In seiner Debütwoche stehen für die Roten Teufel zwei Heimspiele gegen zwei namhafte Gegner vor zwei großen Kulissen an. Am Dienstagabend bestreiten die Roten Teufel das DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den 1. FC Nürnberg. Die Partie ist im Heimbereich seit Wochen ausverkauft – über 48.000 Zuschauer werden dabei sein. Restkarten gibt es für die VIP- und Gästebereiche. Die Roten Teufel spielten bereits Ende Oktober, beim 3:2 gegen den 1. FC Köln, vor vollem Haus im DFB-Pokal. Erstmals seit zehn Jahren kann der FCK in die Runde der letzten Acht des DFB-Pokals einziehen. Damals endete die Saison im Halbfinale beim FC Bayern – auf die könnten die Pfälzer, bei einem Weiterkommen, nicht mehr treffen.

Erster Liga-Sieg seit Anfang Oktober?

Am Samstagmittag gastiert dann Hertha BSC auf dem Betzenberg in Kaiserslautern. Für die Partie sind bereits über 40.000 Karten verkauft. Nach fünf sieglosen Zweitligapartien wollen die Pfälzer wieder drei Punkte einfahren. Die sportliche Krise hatte sich zuletzt auch etwas auf die Zuschauerzahl ausgewirkt. Erstmals in diesem Kalenderjahr kamen, beim 0:3 gegen Kiel, weniger als 39.000 Zuschauer zu einem Heimspiel des FCK. Mit durchschnittlich über 42.000 Zuschauern steht man aber weiterhin auf Platz 11 der deutschlandweiten Zuschauertabelle.

Die Chance auf einen perfekten Einstand

Über 90.000 Zuschauer werden damit bei den ersten beiden Spielen von Dimitrios Grammozis dabei sein. Eine Woche nach der Bekanntgabe der Personalie könnten die Roten Teufel unter den besten Acht im DFB-Pokal stehen und den ersten Zweitligasieg seit Anfang Oktober eingefahren haben. Es wäre ein traumhafter Auftakt für den neuen Cheftrainer der Roten Teufel.

Autor: Christian Link
Quelle: Die falsche 9

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