Regionalliga-Reform: Ein schwarzer Tag für den deutschen Fußball

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Die deutsche Nationalmannschaft ist am Montagabend bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada ausgeschieden. Doch eine möglicherweise noch folgenschwerere Niederlage fand im eigenen Land statt – bei der Abstimmung über die Zukunft der Regionalligen. Die Bemühungen zu einer Regionalliga-Reform haben einen erheblichen Dämpfer erlitten.

Während sich der bundesweite Blick am gestrigen Abend nach Boston zum Sechzehntelfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay richtete, fand in Deutschland eine der wichtigsten Abstimmungen im deutschen Fußball der vergangenen Jahrzehnte statt. 14 Jahre nach Einführung der fünfgleisigen Regionalliga sollte gestern Abend ein wichtiger Schritt zu einer Aufstiegsreform gemacht werden. In allen fünf Regionalverbänden, die als Träger der fünf Regionalligen fungieren, wurde über verschiedene Modelle abgestimmt. Ziel des Prozesses war die Verringerung der Staffeln von fünf auf vier, um allen Meistern einen direkten Aufstiegsplatz bieten zu können. Zwar stimmte die absolute Mehrheit der stimmberechtigten Vereine für das Kompassmodell, jedoch wurde die zuvor geforderte Mehrheit für ein Modell in jeder einzelnen Region verfehlt. Damit enden die Bemühungen der Arbeitsgruppe zur Aufstiegsreform vorerst ohne Ergebnis.

Kompassmodell, Regionenmodell – oder das „Alles bleibt beim Alten“-Modell

Zur Wahl standen bei der Abstimmung drei verschiedene Modelle. Die Initiative „Aufstiegsreform 2025“, die im vergangenen Jahr neuen Schwung in die Debatte brachte und von über 70 Klubs von der Bundesliga bis zur Oberliga getragen wird, favorisierte das Kompassmodell. Bei diesem Modell soll es zukünftig keine festen Grenzen zwischen den Staffeln mehr geben, sondern die Vereine jeden Sommer nach geographischen Gesichtspunkten flexibel auf vier Staffeln aufgeteilt werden. Dem entgegen steht das Regionenmodell, bei dem die aktuell fünf Staffeln auf vier Ligen mit festen Grenzen reduziert werden sollen. Leidtragend wäre die zuschauerstärkste Regionalliga Nordost, die aufgesplittet werden würde. Darüber hinaus konnten die Vereine auch gegen eine Reform bzw. für eine weitere Ausarbeitung neuer Modelle stimmen.

Norden, Nordosten und Westen stimmen für das Kompassmodell

Klarer Sieger der Abstimmung ist das Kompassmodell. Im Nordosten (76,3 Prozent), Norden (61,5 Prozent) und Westen (60,9 Prozent) stimmte jeweils die deutliche Mehrheit für das flexible Modell ohne feste Grenzen. Vor allem der Nordosten, von deren Vereinen die Initiative begann, wurde in den vergangenen Jahren zum Leidtragenden der aktuellen Regel. Die Regionalliga Nordost ist die mit Abstand zuschauerstärkste der fünf Regionalligen und prominent besetzt. In der kommenden Saison spielen sieben ehemalige Zweitligisten in der „Champions League des Ostens“. Zuletzt scheiterte der 1. FC Lokomotive Leipzig zwei Mal in Folge in der Aufstiegsrelegation.

Regionalliga-Aufstiegsreform jetzt
Die Fans in Chemnitz fordern „Aufstiegsreform jetzt“. Foto: Instagram: @fokus_fischerwiese

 

Der Südwesten stimmt für eine Veränderung – aber nur für die anderen

Anders als die Vereine der Regionalliga West, die ebenfalls bereits jetzt einen festen Aufstiegsplatz haben, konnte sich der Südwesten nicht zur Unterstützung des Kompassmodells durchringen. 93,1 Prozent stimmten für das Regionenmodell. Damit stimmten die Vereine zwar ebenfalls für eine Regionalliga-Reform, wollen dabei ihre privilegierte Stellung jedoch nicht verlieren. Denn für die Regionalliga Südwest würde sich beim Regionenmodell nichts verändern. Die Grenzen würden bestehen bleiben und einen direkten Aufstiegsplatz hat der Meister bereits im aktuellen Modus.

Bayern will lieber neue Modelle prüfen

Einen ganz anderen Weg schlagen die Vereine aus Bayern ein. 52,4 Prozent sprachen sich für die Ausarbeitung neuer Modelle aus und verweisen auf Versäumnisse der vom DFB eingesetzten Arbeitsgruppe, die die Reformvorschläge erarbeitet hatte. Unter anderem stellte der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, Christoph Kern, eine 3. Liga mit 22 Teams und fünf Absteigern oder ein Zwei-Phasen-Modell, bei dem zur Rückrunde eine viergleisige Aufstiegsrunde installiert werden würde, in den Raum.

DFB und Regionalverbände geben kein gutes Bild ab

Nun liegt es am DFB, aus den Abstimmungsergebnissen einen weiteren Fahrplan hin zu einer Regionalliga-Reform zu erstellen. Durch die zuvor selbst aufgestellte Bedingung, dass in allen fünf Regionen eine Mehrheit für ein Modell entstehen muss, setzten sich die Verantwortlichen jedoch selbst unter Druck. Kurzfristige Veränderungen an den Modellen und intransparente Kommunikation führten gar zum Boykott einiger Vereine an der Abstimmung. Wieder einmal geben die Verbände bei der Lösung einer zentralen Ungerechtigkeit im deutschen Ligensystem ein schlechtes Bild ab. Zwar sind sich alle einig, dass Meister aufsteigen müssen, doch die Verantwortung dafür wird sich gegenseitig zugeschoben. Ob und wie es mit der Regionalliga-Reform nun weiter geht, ist völlig offen. Dem Fußball wäre es zu wünschen, dass sich eine tragfähige Lösung findet.

Autor: Moritz Schneider
Quelle: Die falsche 9